Infobörse

der Gemeinde St.Josef Schweinfurt

Autor: Michael Pfrang
Kontakt: michael.pfrang@bistum-wuerzburg.de
Kategorie:
Beschreibung:
Predigt 13. So. i.Jk C 27.06.99

Text: Mt 10, 37-42

B: Jesus warnt davor, das Leben festzuhalten.
A: Deshalb können wir das Leben mit ihm zusammen gewinnen.
W: Ich will festhalten, was ich habe.
Z: Wage dein Leben in Offenheit für den je neuen Anruf Gottes.

Meine lieben Mitchristen, liebe Gemeinde!
Ein Liedermacher spöttelt über den österreichischen Adel mit den Worten: "denn wer was war, der braucht nichts mehr wer'n." Wer etwas war, der braucht nichts mehr werden. Mit diesen Worten trifft der Liedermacher wohl auch uns. Wir sind zwar keine Adeligen, aber diesen Zug haben wir auch an uns: Was wir einmal erreicht haben, das wollen wir festhalten. Wenn ich einmal einen bestimmten Lebensstandard erreicht habe, ist es schwer dahinter zurück zu gehen. Oder wenn ich eine bestimmte gesellschaftliche Position gewonnen habe, mit Ansehen, mit der Macht über andere bestimmen zu können, dann ist es nicht einfach davon wieder zu lassen, wieder in das zweite Glied zurück zu gehen. Das trifft auch für Beziehungen zu. Wie schwer, wie traurig ist es, einen Menschen zu verlieren, den ich gern habe, sei es weil ein Freund wegzieht, sei es, weil es Streit gegeben hat, sei es, weil ich den Partner oder die Partnerin durch Trennung oder Tod verloren habe. Und jetzt mutet uns Jesus im heutigen Evangelium auch noch diese harten Worte zu: Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Sollen wir unser Leben, unsere Geschichte gering achten, verachten? Und es geht noch weiter: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Ist nur das leidvolle, das kreuz-reiche Leben Leben wie Jesus es meint? Ist Leben nur im Leid sinnvoll? Vielleicht geht es ihnen da wir mir: ich stoße mich daran. Ich kann nicht verstehen, dass diese Worte vom gleichen Mann stammen, der uns Leben in Fülle zusagt, der selbst gern mit Menschen zusammen war, der wohl selbst gern gelebt hat. Es ist hilfreich, den Urtext anzuschauen, den griechischen Text, wie es Matthäus aufgeschrieben hat. Wenn man das wortwörtlich überträgt hat das einen anderen Klang: Der, der sein Leben gefunden hat, wird es verlieren; und der, der es verloren hat um meinetwillen wird es finden. Es geht Jesus um Menschen, die ihr Leben gefunden haben oder meinen es gefunden zu haben. Es geht ihm um die, die sich festgesetzt haben, die sich gebunden haben, die nur noch Familie, die nur noch ihre Beziehung kennen. Die will er warnen. Sie werden ihr Leben verlieren. Je mehr man sich bindet, je mehr man sich an Dinge oder Menschen klammert, je mehr man meint, dass alles so bleiben müsse, wie es jetzt gerade ist, je mehr man den Augenblick fest zu halten versucht, um so mehr wird man merken, dass man genau das verliert, was man da so heftig fest zu halten versucht. Denn Leben und Freiheit haben dies eine gemeinsam: Hält man sie fest oder versucht es auch nur, dann ist Freiheit und Leben weg. Einfach weg. Das gilt gerade für das, was wir geistige Besitztümer nennen: unsere Freiheit, unseren Selbststand, unsere Bindungen, unsere Einstellungen, unsere Meinung. Das Wort das Jesus verwendet ist ((((, das Wort für unser inneres Leben. Denn es geht Jesus wohl nicht um ein Geringschätzen unseres biologischen Leben, unserer Freude daran. Denn das hat er uns ja immer wieder eingeschärft: wir sind Geschöpfe Gottes, sein Abbild sogar. Und das kann doch nichts Schlechtes sein! Der Weg, den uns Jesus vorschlägt heißt anders: Der, der sein Leben, um meinetwillen verloren hat, weil er etwas gewagt hat, weil er sich nicht geistig zur Ruhe gesetzt hat, auf vorgefaßten Meinungen und materiellen Besitztümern, der wird das Leben, seine Psyche gewinnen. Dieses Leben ist gefährlicher, gewagter, aber auch gewinnender. Es ist ein Leben, das offen bleibt für Zukunft, weil es nicht in der Vergangenheit oder Gegenwart verharrt, es ist ein Leben, das offen bleibt für den Anruf Gottes, der in jedem Augenblick anders sein kann. Es bleibt offen, weil es nicht klammert, sich nicht klammert. Dann brauche ich aber auch nicht daran kaputt zu gehen, wenn eben etwas anders läuft, als ich mir das vorgestellt habe, nicht am Zurücktreten in die zweite Reihe, nicht an der Trauer um einen Menschen, nicht an einem materiellen Verlust. Denn dieses Leben weiß auch um die Möglichkeit des Kreuzes, das man vielleicht einmal auf sich nehmen muss, um das Scheitern im Leben, um Krankheit und Leid, weil nicht Sicherheit der höchste Wert ist. Auf diese Leben, das man nicht gewinnen kann, wenn man festhält und klammert, will uns Jesus hinweisen. Er will uns sagen: Wage dein Leben, wage es, es mit mir ‚flüssig' zu halten, offen für das, was kommt, offen für den Anruf Gottes in deinem Leben, offen für den nächsten Augenblick. Du wirst spüren, dass das nicht sicherer ist, aber wunderbar und voller Leben, selbst im Kreuz. Und ich bin ja bei dir. Ich, der das Kreuz für dich bis zum Ende getragen hat. Also, wage dein Leben in meiner Nachfolge. Dann kann aus dir allemal noch etwas werden!