Infobörse

der Gemeinde St.Josef Schweinfurt

Autor: Michael Pfrang
Kontakt: michael.pfrang@bistum-wuerzburg.de
Kategorie: Maiandacht
Beschreibung:
Maiandacht am 3. Mai 2000
‚Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut'


ERÖFFNUNGSLIED (GL 899, 1+2+5)

Wir beginnen im Namen des Vaters ...
‚Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter." heißt es im großen Lobgebet Mariens. Diesen Satz wollen wir heute bedenken
Lasset uns beten zu Gott, der in seiner Liebe und Treue zu uns dieser Welt durch Maria den Erlöser schenkt:

LOBPREIS DES DREIFALTIGEN GOTTES (GL 717)

EINFÜHRUNG
Heute werden wir beispielhaft am Umgang Gottes mit Maria erfahren, wie und daß Gott die Freiheit des Menschen und somit seine Würde voll achtet. Dies hat seinen inneren Grund in Gottes Bereitschaft, sich auf den Menschen einzulassen und sich damit zu verlassen. Weil Gott frei ist und bleibt, wird der Mensch zur Freiheit und Verantwortung für seine Freiheit berufen. Denn die Menschwerdung Jesu Christi setzt bereits das unbedingte Ja Christi zu seiner Menschwerdung voraus. Sehr schön hat dieses ja zu Menschwerdung und Geburt Kurt Marti ausgedrückt:

»geburt
ich wurde nicht gefragt
bei meiner zeugung
und die mich zeugten
wurden auch nicht gefragt
bei ihrer zeugung
niemand wurde gefragt
außer dem Einen
und der sagte
ja

ich wurde nicht gefragt
bei meiner geburt
und die mich gebar
wurde auch nicht gefragt
bei ihrer geburt
niemand wurde gefragt
außer dem Einen
und der sagte
ja«
Diesem »ja« Gottes entspricht auf seiten der Menschheit das im Heilswillen Gottes gründende Ja Mariens.

MARIANISCHEs KERNGEBET (GL 32,2.)

LESUNG (Lk 1,26-38)

Die Verheißung der Geburt Jesu: 1,26-38
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

LIED (GL 902)

BETRACHTUNG
In diese Welt und in die Auseinandersetzung mit dem Hin und Her von Leichtlebigkeit und Ernst begibt sich Gott durch die Jungfrau Maria: der Gott, der Macht mit Liebe begegnet, mit Liebe, die er selbst ist. Die Macht Gottes ist der Wille der Bewahrung, ist die Bestimmung zum Heil und zur Vollendung, ist die unbedingte Liebe zum Menschen. Gott setzt Macht versöhnende Liebe entgegen; eine Liebe, die befreit aus den Zwängen und Unterdrückungen der Macht. Sie befreit zu menschlicher Schwäche und der unbedingten Achtung dieser Schwäche. Den andern achten können und sollen wir, weil wir geachtet sind. Damit behaupte ich, daß Gott das christliche Zentralgebot in der Menschwerdung seines Sohnes verwirklichte: »Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.« Gott nahm die Schöpfung und uns Menschen als seine Nächsten an. Er ist und bleibt sich nicht allein der Nächste. Sondern Gott will uns der Nächste sein. ja, er ist uns nahe. Er bietet sich liebend uns Menschen zur Gegenliebe an. Er wirbt liebend für seine Liebe. Ausdruck für diese Werbung um Liebe ist die Erzählung von der Verkündigung der Geburt Jesu, die wir soeben in der Lesung hörten. Gott wirbt durch den Engel bei Maria um ihre Liebe, indem er Maria seine Liebe schenkt, ihr seine Gnade zukommen läßt. Diese Begnadung heißt aber nicht, daß damit ein Mechanismus in Bewegung gesetzt wurde, sondern an Marias Ja und ihre Freiheit, an ihre Verantwortung gegenüber dem Liebesbegehren Gottes wird appelliert. Maria weiß, daß sie ihren Körper lebensspendend in Dienst stellen kann. Sie lebt ihre Demut Gott gegenüber, die sie als die Niedrigkeit einer sich bejahend und frei in den Dienst am neuen Leben stellenden Frau vollzieht. Ihr Dienst, den sie im ja zur Verheißung der Geburt des Gottessohnes verantwortungsvoll ausübt, ist die Annahme des Kindes in ihrem Bauch. Indem sie dem in ihrem Bauch wachsenden und sich entfaltenden Leben als liebende Mutter begegnet, preist sie Gott; sie verwirklicht ihre Bestimmung als Frau zur Mutter. Gott hat Maria nicht vergewaltigt und überrumpelt, sondern sie ihrer Bestimmung zugeführt, die sie frei bejahte. Durch dieses ja kann sie Vorbild für uns Menschen sein - und dies nicht nur für Frau und Mutter, sondern entsprechend auch für Mann und Vater.

GEBET ZU MARIA (GL 783, 1.)

LIED (GL 594, 1-3+5)

SEGENSGEBET
Lasset uns beten:
Die Liebe des dreifaltigen Gottes ist in Jesus Christus Mensch geworden, weil es Menschen gab und gibt, die die Liebe Gottes nicht zurückweisen, sondern sich der erlösenden Liebe Gottes hingeben.
Laßt auch uns als Vater, Mutter, Kind unsere Bestimmung zur Geburt leben:
Dazu segne uns der Vater ...

SCH.LUSSLIED (GL 585, 1+2)