Infobörse

der Gemeinde St.Josef Schweinfurt

Autor: Michael Pfrang
Kontakt: michael.pfrang@bistum-wuerzburg.de
Kategorie: Kurzpredigt
Beschreibung:
Darstellung des Herrn - 02.02.99

Einleitung
Ein letztes mal glänzen heute die Lichter des Weihnachtsfestes vor uns auf. Sozusagen der letzte Ausläufer. Die Lichter sprechen heute noch einmal vom Glanz der Geburt, vom Stern, der den Weg zeigt. Maria Lichtmess ist fest bei uns verankert, obwohl Maria im Evangelium nicht mit dem Licht in Verbindung gebracht wird. Es ist ein alter Mann, der das Licht sieht, Simeon, fromm und gerecht. Er sieht, was uns vor Augen gestellt wird: das Licht, das in Jesus in unsere Welt gekommen ist. Deshalb heißt das Fest 'Darstellung des Herrn'. Es geht um Jesus, um das, was er für uns bedeuten kann: Licht und Leben. Dieses Licht dürfen wir jetzt feiern, wenn wir die Kerzen weihen und wenn wir das Licht durch unsere Kirche tragen. Wir dürfen dieses Licht erfahren, wenn wir mit gekreuzten Kerzen uns den Segen zusprechen lassen, den Blasiussegen. Dieses Licht dürfen wir schmecken, wenn wir sein Wort hören und ihn im Brot empfangen. Dieses Licht kann uns auch jetzt, heute sagen: Wir haben das Heil gesehen!

Ansprache
Meine lieben Mitchristen!
Es muss für die Eltern Jesu schon etwas komisch gewesen sein, als sie den Tempel betraten und ein alter Mann auf sie zukam und sie bat, das Kind in seinen Arm nehmen zu dürfen. Und noch seltsamer müssen ihnen die Worte vorgekommen sein, die er gesagt hat. Nun, lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden. Aber Maria und Josef waren Kinder ihrer Zeit. Sie konnten nachspüren, was dieser alte Mann schon alles mitgemacht hatte. Er hatte erlebt, wie seine Heimat nach dem Zerfall des Makkabäerreiches politisch sich aufspaltete, wie die Römer das Land besetzt hatten. Er hatte miterleben müssen, wie Israel sich religiös zerspaltete. Viele religiöse Gruppen hatten sich gebildet: Pharisäer, Sadduzzäer, Essener. Jeder behauptete, er wisse, wie es weitergehe. Kurzum: Simeon hatte miterleben müssen wie sein Land und sein Volk in eine tiefe Krise gestürzt war. Sonst wissen wir zwar nicht viel über diesen Mann, aber es ist gut vorstellbar, dass er auch alleine war, vielleicht Witwer. Deshalb lassen Maria und Josef ihn das Kind nehmen. Sie spüren wohl, war diesem Mann dieser Moment bedeutet. Und er sagt es: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen." Simeon kann mitten in der politischen und religiösen Krise seines Landes, mitten aus seinem Alleinsein heraus sagen: Ich kann in Frieden scheiden. Ich habe das Heil gesehen. Ein Licht für alle Menschen, für Juden und Heiden. Wahrlich ein Prophet, einer, der mehr sieht als andere! Ich wünsche uns, dass wir ebenso diesen Blick des Simeon gewinnen. Diesen Blick, der mitten in der Krise, mitten in der Trauer, mitten im Leid, mitten im Umbruch das Licht sieht, das uns in diesem Kind aufgegangen ist, diesen Blick, der sieht, dass seit Jesu Leben, seit seinem Eintreten für uns bis zum Tod und durch den Tod hindurch, dieses Licht weiterleuchtet. So wie jetzt noch einmal, 40 Tage nach Weihnachten, da uns das Fest schon wieder weit entfernt scheint, uns heute dieses Licht vor Augen gestellt wird. Ich wünsche uns die Zufriedenheit dieses alten Mannes, der nach einer Geschichte mit Höhen und sicher nicht wenigen Tiefen, sagen kann. Ich gehe in Frieden. In Frieden mit mir selbst, mit Gott und mit der Welt. Ich wünsche uns diesen Frieden und diese Zufriedenheit nicht nur am Ende des Lebens, wenn wir, wie der alte Simeon zurückblicken können, ich wünsche uns diesen Frieden jedesmal, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn wir keinen Weg mehr sehen. Denn dafür ist es gekommen, das Licht, das die Heiden erleuchtet, das Licht, das Herrlichkeit für das Volk der Glaubenden bedeutet.

Fürbitten
Maria bringt Jesus in den Tempel. Mit Simeon begrüßen wir ihn als das Licht der Welt. Zu ihm, der uns alle erleuchten will, rufen wir:
- Herr Jesus Christus, laß die Völker der Erde im Glauben an dich Heimat und Frieden finden.
- Lehr die Menschen beten und vertrauen wie Simeon und Hanna es konnten.
- Gib dich den Menschen im Schatten von Krankheit, Leid, Trauer und Not als Licht zu erkennen.
- Schenke uns immer wieder das Glück, dir zu begegnen, dich zu entdecken, wenn Krisen oder Orientierungslosigkeit uns bedrücken.
- Sei unseren verstorbenen das Licht des neuen, ewigen Lebens.
Vater im Himmel, erhöre unsere Bitten auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria durch Christus, unsern Herrn. Amen.